Der Kampf mit den Champignons oder: Was mache ich hier eigentlich?

Wie war das mit den Champignons, mit dem Messer putzen und nicht waschen, oder?!

Noch vor einem Jahr hätte es bei mir beim Kochen wie folgt ausgesehen: TK-Lachsfilets in die Pfanne werfen, die Hälfte verbrennen, während die andere Hälfte roh bleibt. Spaghetti kochen, entweder zu lang oder zu kurz. Dann eine Fertigsoße aus der Tüte oder aus dem Glas erwärmt. Lieblos angerichtet und verschlungen. Emotionslos.

Oder ich hätte mir einfach Fastfood geholt.

Heute stehe ich in der Küche und putze zunächst die Champignons für meine Rahmsoße. Bin etwas unsicher, aber ich wollte keine „fertigen“ aus dem Glas. Schneide sie anschließend in Scheiben und lege sie zur Seite. In einem Topf lasse ich Butter zerlaufen und rühre langsam Mehl ein. Ich bin kein Freund von Mengenangaben, ich hantiere drauf los und schätze die Menge. Vielleicht zu wenig Mehl? Ich füge noch etwas hinzu. Dann kommt Rinderbrühe dazu und ich lasse das Ganze etwas köcheln, damit die Brühe etwas reduziert wird. Danach rühre ich Sahne und etwas Tomatenmark ein. Die Soße ist noch arg wässrig. Oh je, läuft das jetzt schief? Was mache ich hier eigentlich? Hmm. Kurz durchatmen. Dann muss sie eben länger köcheln. Champignons dazu, dann Thymian und etwas Petersilie. Fertig.

Während ich Spaghetti ins kochende Salzwasser gebe, brutzelt das Lachsfilet – hier habe ich etwas geschummelt und habe ein bereits mariniertes Filet geholt – langsam in der Pfanne. Nachdem ich den Lachs zunächst auf der Hautseite scharf angebraten habe, reduziere ich die Hitze, bedecke die Pfanne mit einem Deckel und lasse das Filet langsam gar werden. Nicht zu lange, trocken soll der Fisch nicht werden. Zumindest bete ich, dass der Fisch innen nicht roh, aber saftig bleibt.

Die Unsicherheit schwingt im Hinterkopf mit. Ich habe noch zu wenig Erfahrung. Habe schon die Nummer für den Dönerladen im Kopf bereit für den Fall, dass alles schiefgeht und ungenießbar ist. Das Lachsfilet stelle ich anschließend auf einem großen Teller in die Mitte des Esstischs. Nehme Spaghetti aus dem Topf und platziere die Nudeln in einen Pastateller. Ich drehe sie dabei etwas ein, das hatte ich mal so in einem Restaurant gesehen. Die Soße lasse ich mittels Kelle vorsichtig über die Spaghetti laufen und achte darauf, dass die Champignonscheiben sich mittig auf den Nudeln befinden. Es soll doch wenigstens halbwegs gut aussehen, wenn ich schon nicht weiß, ob es schmeckt.

Schwupps ist eine Stunde vergangen und sie kam mir vor wie zehn Minuten. Ich realisiere, wie konzentriert ich war. Ist das auch eine Art Achtsamkeit? Ich setze mich hin, schaue zu Nina, die inzwischen am Tisch sitzt und erwartungsvoll in Richtung Essen blickt, und kann meine Nervosität kaum verbergen. Ich hoffe, es ist essbar.

Ich beobachte sie dabei, wie sie den Lachs und dann die Nudeln probiert. Diese Sekunden wiederum fühlen sich wie Minuten an. Schließlich schaut sie wieder hinauf und strahlt.

Die Nervosität verfliegt in Windeseile. Ich bin glücklich und merke plötzlich wieder, dass ich hungrig bin.

Guten Appetit.

Ein Kommentar zu „Der Kampf mit den Champignons oder: Was mache ich hier eigentlich?

  1. Ging mir auch so. Erst mit meiner (echten) Beziehung habe ich das Kochen gelernt und geschätzt. Sie hatte damals so viel beruflich zu tun, dass ich sie wenigstens mit einem guten Abendessen verwöhnen wollte. Durch diese Hingabe bin ich dann mit der Zeit richtig gut geworden. VG

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